Geschichte und Legende

 

Legende

Kalevipoeg formt die Landschaft von Haanja.

 

Kalevipoeg – ich weiß nicht, won wo er dann gekommen ist, wahrscheinlich wieder aus Pihkva, aber dann hat er wohl keine Bretter bei sich gehabt – war ganz erschöpft und wollte sich hinlegen, doch die Kopfstelle sei ein bißchen niedrig gewesen. Dann habe er mit ihren Händen von den beiden Seiten Erde gezogen und so entstand der Berg Munamägi. Und da Bremsen und Fliegen ihn störten, wälzte er sich von einer Seite auf die andere und so entstand der See Vaskna. Danach sei er aufgestanden und sein erster Fußstapfen war der See Tuuljärv. Naja, und der zweite sollte dann der See Tuhkrijärv sein.

 

(Das Estnische Literaturmuseum, das Archiv für estnische Volksdichtung „Das Kirchspiel Rõuge. Örter und Überlieferungen.“ Tartu 2001.)

 

Geschichte

Wenn man von hier von der Wolkengrenze aus…

 

Schon längst hat man versucht, auf dem Gipfel des Berges Munamägi ein Gebäude zu errichten und so das Gesichtsfeld auf die weitere Umgebung zu erweitern. Im Laufe des Krieges im Jahre 1812 haben Soldaten unter Leitung eines russischen Offiziers auf den Berg Munamägi den ersten Turm errichtet. „Der Turm sei so hoch gewesen, daß er Seeschiffe irrezuführen begann und deshalb abgerissen wurde“, so der Volksmund.

 

Fr. R. Kreutzwald weist in seinem Briefwechsel auf den im Jahre 1816 von F. G. Struwe zur Vermessung Livlands errichtetetn Triangulationsturm hin.

 

Die ältere Generation von Haanja kann sich an einen 8 Meter hohen Aussichtsturm erinnern, der von dem Schankwirt namens Tuul aus dem hiesigen Landgut aufgestellt wurde und den der Schankwirt 1870 im eigenen Interesse errichtet hatte. Die Leute pflegten auf den Berg Munamägi zu kommen und das Bier- und Wodka-Geschäft blühte auf. Der Turm, in dem vier oder fünf Menschen gleichzeitig Raum hatten, wurde im Laufe der Zeit zu eng und auch Bäume begannen den Anblick zu begrenzen. Aufgewecktere Menschen von Haanja begannen unter der Leitung von Juhan Kolga einen höheren Turm zu errichten. Diese Unternehmung der Männer aus Haanja wurde von Jaan Sprenk, dem damaligen Pächter des Landguts Haanja, unterstützt. Der Turm war 12 Meter hoch.

 

Erst im Jahre 1925 wurde unter Mitwirkung der Kreisverwaltung Võru und der Generalverwaltung für Wälder mit dem Bau eines neuen Turmes begonnen. Die Höhe des Turmes betrug 17 Meter. Die Bauarbeiten dauerten 3 Monate. Es wurde auch der Ordnung der Umgebung Aufmerksamkeit zugewandt: es wurden die ersten Fußwege angelegt, der Wald wurde gereinigt, vor den Aussichtsturm wurden Bänke aufgestellt.

 

Der Aussichtsturm wurde am 19. Juli 1925 feierlich eröffnet. Bald stellte es sich heraus, daß der aus Holz errichtete Aussichtsturm unmodern war und wieder niedrig ist.

 

Es wurde beschlossen, aus Eisenbeton einen neuen, schon den fünften Aussichtsturm zu errichten. Die Bauarbeiten wurden vom Herrn Mägi, dem damaligen Ingenieur der Kreisverwaltung Võru, geleitet. Die Höhe des neuen Aussichtsturmes betrug 25,7 Meter und er wurde im 1939 in Betrieb genommen. Bei der Errichtung des Turmes wurden 36 000 Bauziegel, 120 m³ Feldsteine, 265 m³ Kies, 75 m³ Schotter, der an Ort und Stelle hergestellt wurde, 80 Tonnen Zement und 110 m³ Wasser benutzt, die ebenso auf den Berg befördert werden mußten.

 

Zur Anfertigung von Baugerüsten und Stützen angewandtes Holzmaterial wurde von Munamägi und Vällamägi bekommen, Bretter wurden in Sägewerken von Võru und Sänna gesägt.

 

Die hauptsächlichen Bauarbeiten waren im Juni des Jahres 1939 zu Ende. Wegen einer angespannten Situation in Europa und Estland blieb eine feierliche Eröffnung des Turmes aus.

 

Im Laufe des Krieges wurde der Turm nicht bemerkenswert beschädigt, im Jahre 1955 wurde eine Generalreparatur durchgeführt. Im Jahre 1960 begann das Fr. R. Kreutzwald- Memorialmuseum, in deren Verwaltung der Aussichtsturm gehörte, den Turm zu modernisieren und die Umgebung in Ordnung zu bringen.

 

Im Jahre 1969 wurde vom Fr. R. Kreutzwald-Memorialmuseum dem Turm ein Stockwerk hinzugebaut und die Konstruktion der Treppe der höheren Stockwerke geändert. Der Anbau wurde von Toomas Rein und Veljo Kaasik projektiert. Die Höhe des Turmes betrug 29,1 Meter. Auch heute kann derjenige, der auf dem Gipfel des Berges steht, von einer Höhe von 346,7 Metern in einem 50-km-Radius aufs Estland heruntersehen.

 

Im Jahre 1998 wurde unter der Leitung der Gemeinde Haanja mit einem Renovierungsprojekt begonnen, es wurde für Projektierungsarbeiten Geld beantragt. Das Renovierungsprojekt wurde in den Jahren 1999-2000 vom Architekten Toomas Rein erstellt. Im Jahre 2002 wurde für den Aussichtsturm des Berges Suur Munamägi die Wasserversorgung projektiert und in dem darauffolgenden Jahr wurde sie auch ausgebaut. Seit dem August 2004 bis zum Juli 2005 wurden auf dem Berg Suur Munamägi umfangreiche Bau- und Renovierungsarbeiten durchgeführt, im Laufe dieser Arbeiten wurde der Aussichtsturm renoviert, es wurden in den Turm ein Aufzug und ein Glas-Café gebaut, ein Wirtschafts- und Fußgängerweg rekonstruiert, es wurde auch die Außenbeleuchtung für den Turm und den Fußgängerweg ausgebaut. Der Gesamtwert der Arbeiten betrug ca. 10 Millionen Kronen. Die geldlichen Mittel kamen aus dem Phare-Programm der EU, von der EAS, von der Republik Estland, vom KIK, von Spendern und aus dem Budget der Gemeinde.

 

Am 24. Juli 2005 fand die feierliche Eröffnung des renovierten Aussichtsturmes des Berges Suur Munamägi statt.

 

Turmwächter mit hohem Dienstalter:
Eduard Tagamets – 23 Jahre
Heinard Kalk – 21 Jahre
Heli Trolla – 15 Jahre
Sirje Orav (Lehtsalu) – 13 Jahre